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Bolivien steckt weiterhin zwischen wirtschaftlicher Krise und politischer Anspannung: Die Regierung von Präsident Rodrigo Paz hat ein reformuliertes Staatsbudget mit deutlich höherem Defizit vorgelegt, während im Gesundheitswesen landesweit gestreikt wird. Dazu bleibt die Suche nach Evo Morales im Chapare ein Dauerthema, und in El Alto endete ein Entführungsfall glimpflich.
Reformuliertes Staatsbudget: Defizit und Inflation steigen
Die Regierung hat das Staatsbudget (PGE) für 2026 überarbeitet und rechnet nun mit einem Fiskaldefizit von 9 Prozent sowie einer Inflation von rund 14 Prozent. Das Wirtschaftsministerium bezeichnet die Zahlen als „realistisches Szenario“ angesichts der anhaltenden Krise und erwartet ein Wirtschaftswachstum von unter einem Prozent. Internationale Institutionen zeichnen ein noch düstereres Bild: Der IWF geht von einem Rückgang des BIP um 3,3 Prozent aus, die Weltbank von minus 3,2 Prozent.
Gesundheitspersonal im unbefristeten Streik
Landesweit haben Beschäftigte des öffentlichen Gesundheitswesens seit Montag einen unbefristeten Streik begonnen, weil die Löhne für Juni nicht ausgezahlt wurden. Betroffen sind fast alle Departamentos, ausgenommen ist bislang La Paz, wo die reguläre Versorgung weiterläuft. Das Gesundheitsministerium erklärte, der Rückstand gehe auf Unregelmäßigkeiten in den Gehaltslisten zurück – etwa doppelte Auszahlungen – und versprach, die Zahlungen nachzuholen. Der Ärzteverband erklärte, ein Großteil der Gehälter sei weiterhin offen, der Streik werde fortgesetzt.
Fall Evo Morales weiterhin ungelöst
Der im Mai gegen Ex-Präsident Evo Morales erlassene Haftbefehl wegen mutmaßlichen Menschenhandels bleibt unvollstreckt. Morales hält sich seit 2024 in seiner Hochburg Chapare auf und wird dort nach Regierungsangaben von bewaffneten Anhängern abgeschirmt. Seine Verteidigung spricht von politischer Verfolgung und zweifelt die Rechtmäßigkeit der Ladungen an. Die Regierung wirft Morales zudem vor, aus dem Chapare heraus die sozialen Proteste der vergangenen Monate gesteuert zu haben, die zeitweise Rücktrittsforderungen gegen Präsident Paz laut werden ließen.
Entführtes Baby in El Alto wieder aufgetaucht
In El Alto endete ein Entführungsfall positiv: Ein Anfang der Woche verschlepptes Baby wurde wohlbehalten gefunden, nachdem sich die tatverdächtige Frau bei der Kinderschutzbehörde stellte. Die Polizei prüft nun die Hintergründe und den Zustand des Kindes.
Sorge um Rechtssicherheit für Investitionen
Die Industriekammer CNI äußerte sich besorgt über den laufenden Rechtsstreit zwischen den Zementherstellern Soboce und Fancesa. Der Verband warnt, der Konflikt könne sich negativ auf die Rechtssicherheit, das Vertrauen von Investoren und das Investitionsklima im Land auswirken – ein Thema, das angesichts der ohnehin angespannten Wirtschaftslage zusätzliches Gewicht bekommt.
Quellen
El Deber – Bolivia proyecta un déficit fiscal de 9% y una inflación de 14% para 2026
Los Tiempos – Salud anuncia paro por sueldos, Ministerio dice que pagará hoy
Infobae – Trabajadores de salud de Bolivia entran en huelga
Visión 360 – Atención se vuelca al Chapare y a la aprehensión de Evo Morales
Urgentebo – CNI expresa preocupación por el caso Soboce
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