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Bolivien steckt weiter mitten in seiner schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Im Zentrum stehen an diesem Dienstag ein massiver Dieselmangel, der den Fernbusverkehr fast zum Erliegen bringt, ein neuer Vorstoß im Streit um die Verteilung von Steuereinnahmen zwischen Zentralstaat und Regionen sowie die Folgen der vor rund einem Monat vollzogenen Wechselkurs-Vereinheitlichung. Dazu kommen anhaltende soziale Spannungen um die Regierung von Präsident Rodrigo Paz.
Dieselkrise legt Fernbusverkehr lahm
Der Mangel an Diesel trifft den zwischendepartementalen Busverkehr besonders hart: Laut dem Verband der Fernbusunternehmen sind derzeit rund 80 Prozent der Busflotte außer Betrieb, weil die Fahrzeuge teils tagelang an Zapfsäulen in Warteschlangen stehen. Terminals in La Paz und Cochabamba haben ihre Abfahrten deutlich reduziert. Die Branche hatte gehofft, in der Ferienzeit Verluste aus wochenlangen früheren Straßenblockaden aufzuholen – die Kraftstoffknappheit durchkreuzt diese Erwartung nun.
Streit um Steuerverteilung: Senator bringt 50/50-Gesetz ein
In der Politik sorgt ein Gesetzentwurf von Senator Leonardo Roca für Gesprächsstoff: Er sieht vor, die Transaktionssteuer (IT) ab dem Haushaltsjahr 2027 hälftig zwischen Staatskasse und Departements sowie öffentlichen Universitäten aufzuteilen. Die Steuer bringt jährlich etwa 7,3 Milliarden Bolivianos ein, wovon rund 3,6 Milliarden künftig an die Regionen fließen könnten. Departements-Gouverneure, angeführt von Santa Cruz, fordern seit Wochen eine schrittweise Einführung des sogenannten 50/50-Modells und hatten sich zuletzt auf einen gestaffelten Zeitplan bis 2031 verständigt.
Ein Jahr Wechselkurs-Vereinheitlichung zeigt Wirkung
Seit Ende Juni gilt in Bolivien ein vereinheitlichter, marktnaher Wechselkurs. Die Zentralbank veröffentlicht seither täglich einen Referenzwert, der zuletzt bei rund 10,85 Bolivianos pro US-Dollar lag. Die Lücke zum Schwarzmarktkurs ist inzwischen auf unter ein Prozent geschrumpft – vor der Reform hatte sie zeitweise 40 Prozent überstiegen. Der Wandel markiert das Ende des über ein Jahzehnt festen Wechselkurses, den sinkende Devisenreserven der Zentralbank unhaltbar gemacht hatten.
Soziale Lage bleibt angespannt
Die Regierung von Präsident Rodrigo Paz, der im November 2025 nach fast zwei Jahrzehnten linker Regierungen ins Amt kam, steht weiter unter Druck. Seit Mai kam es wiederholt zu Protesten und Straßenblockaden, ausgelöst unter anderem durch ein umstrittenes Gesetz zur Landverpfändung sowie durch die Treibstoffkrise. Sicherheitskräfte haben in den vergangenen Wochen mehrfach Blockadepunkte geräumt, dennoch bleibt die Lage in Teilen des Landes fragil.
Bildung: Lateinamerikanisches STEM-Treffen in Bolivien
Ein positiveres Signal kommt aus dem Bildungsbereich: Vom 21. bis 23. Juli findet das fünfte Treffen des Red-STEM-Lateinamerika-Netzwerks statt. Vertreter aus 14 Ländern und mehr als 200 Bildungseinrichtungen tauschen sich über Naturwissenschaften, Technik und Mathematik in der Schul- und Hochschulbildung aus.
Quellen
El Deber ·
Los Tiempos ·
El Diario ·
Banco Central de Bolivia ·
Wikipedia – Protestas en Bolivia de 2026 ·
Urgentebo
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