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Bolivien beschäftigt sich weiterhin mit den Nachwirkungen der wochenlangen Straßenblockaden: Die Justiz hat einen Anführer der Proteste in Untersuchungshaft geschickt, während Regierung und Agrarsektor über einen Wiederaufbaufonds verhandeln. Daneben sorgen die Reform des Wechselkurssystems und der Umbau der Staatsfluggesellschaft BoA für Gesprächsstoff.
Haftbefehl gegen Blockade-Anführer
Ein Richter hat gegen Vicente Salazar, Vorsitzender der Bauernföderation Túpac Katari in La Paz, sechs Monate Untersuchungshaft verhängt. Salazar gilt als einer der Organisatoren der Straßenblockaden, die Bolivien in den vergangenen Wochen lahmgelegt hatten. Ihm werden unter anderem öffentliche Anstiftung zu Straftaten, kriminelle Vereinigung und Terrorismus vorgeworfen. Er wurde in das Gefängnis Chonchocoro bei La Paz auf fast 4.000 Metern Höhe gebracht. Die monatelangen Blockaden hatten zu Engpässen bei Lebensmitteln, Treibstoff und anderen Gütern geführt und mindestens 14 Menschenleben gefordert.
Regierung und Agrarsektor ringen um Wiederaufbaufonds
Die Bauernkonföderation Confeagro und Vertreter der Regierung trafen sich in Cochabamba, um die wirtschaftlichen Schäden der mehr als 50 Tage andauernden Blockaden zu besprechen. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer CAO beliefen sich die Verluste allein im Agrarsektor auf rund 3 Milliarden US-Dollar. Die Produzenten fordern einen Fonds von 2,5 Milliarden Bolivianos zur Reaktivierung der betroffenen Betriebe, ein Gesetz gegen künftige Blockaden sowie eine verlässliche Diesel-Versorgung. Das Wirtschaftsministerium hat für die kommende Woche ein offizielles Finanzierungsangebot für die Produktionssektoren angekündigt.
Ende des fixen Wechselkurses
Nach 15 Jahren mit festem Wechselkurs stellt Bolivien auf ein flexibles System um. Der neue offizielle Wechselkurs ergibt sich künftig aus dem gewichteten Durchschnitt der Dollar-Käufe der Banken bei ihren Kunden, statt wie bisher fix bei 6,86 bzw. 6,96 Bolivianos zu liegen. Der Schritt gilt als eine der bedeutendsten wirtschaftspolitischen Weichenstellungen der letzten Jahrzehnte und ist eine Reaktion auf den anhaltenden Dollarmangel im Land.
Staatsfluggesellschaft BoA vor Umbau
Minister Mauricio Zamora erklärte, die Staatsfluggesellschaft Boliviana de Aviación (BoA) schleppe strukturelle Probleme aus mehr als zwei Jahrzehnten mit sich. Die Regierung schließt eine Privatisierung aus, kündigt aber Investitionen zur Flottenerneuerung sowie eine Öffnung des Luftfahrtmarktes für neue Airlines an. BoA hat ihre einsatzfähige Flotte zuletzt von acht auf 13 Maschinen erhöht und soll bis November 2026 auf 18 Flugzeuge kommen. Parallel läuft eine Untersuchung zu einer Dienstreise des BoA-Geschäftsführers.
Wirtschaft: Gassexporte und Haushalt
Die Erdgasexporte Boliviens sind weiter rückläufig: Von Januar bis Mai fielen die Erlöse von 471,3 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum auf 283,8 Millionen US-Dollar in diesem Jahr. Unterdessen verabschiedete die Abgeordnetenkammer den reformierten Staatshaushalt 2026. Wirtschaftsminister Gabriel Espinoza wertete die fraktionsübergreifende Einigung als institutionellen Erfolg.
Quellen
El Deber – Gobierno y Confeagro acuerdan agenda
Infobae – Prisión preventiva para líder de bloqueos
Bloomberg Línea – Nuevo tipo de cambio flexible
La Razón – Gobierno y reforma de BoA
El Diario – Confeagro pide fondo de reactivación
Economy.com.bo – Pérdidas de 3.000 millones al agro
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